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Wie du dich vor Rückenschmerzen schützen kannst, wenn du in der Pflege arbeitest

Gesundheit

Von Silke Jäger — 17.04.2018

Wie du dich vor Rückenschmerzen schützen kannst, wenn du in der Pflege arbeitest

Hast du schon einmal deine Schicht wegen Rückenschmerzen nicht antreten können oder musstest du deswegen früher nach Hause gehen? Dann weißt du bestimmt, was es heißt, mit Rückenproblemen in der Pflege zu arbeiten. Wenn du hingegen noch nie Rückenbeschwerden hattest, ist es sehr wahrscheinlich, dass du im Laufe deines Berufslebens welche bekommst. Wenn du wissen möchtest, wie dein Rücken im Pflegealltag gesund bleibt und was du dafür tun kannst, findest du hier hilfreiche Tipps.

Warum sind Menschen in Pflegeberufen besonders gefährdet, Rückenschmerzen zu bekommen?

Die Berufsgenossenschaft für Gesundheitsdienst und Wohlfahrtspflege hat bei einer Umfrage unter Pflegekräften festgestellt, dass 2 von 3 unter Rückenschmerzen leiden. Wegen dieser Beschwerden können sie durchschnittlich 21 Tage im Jahr nicht zur Arbeit gehen. Woher kommt es, dass Pflegekräfte so oft Rückenschmerzen haben?

Wenn du selbst in der Pflege arbeitest, spürst du am eigenen Leib, wie belastend deine Arbeit sein kann: Heben, Tragen und Bücken sind an der Tagesordnung. Man hat festgestellt, dass Pflegekräfte oft höhere Gewichte bewegen als Bauarbeiter. Aber nicht nur die körperlichen Belastungen machen der Rückengesundheit zu schaffen. Zeitdruck und hohe Aufgabendichte führen dazu, dass so manche Pause ausfallen muss. Der Schichtdienst kann den Schlaf-Wach-Rhythmus durcheinanderbringen und so zu Dauermüdigkeit beitragen. Und nicht zuletzt sorgen Personalmangel und hohe Ausfallzeiten von Kolleginnen und Kollegen dafür, dass viele Überstunden gemacht werden müssen.

Dazu kommt, dass die Pflege kranker Menschen emotionale Belastungen mit sich bringt: Du hörst viele bewegende Geschichten und bekommst hautnah mit, wie Krankheiten Lebensträume infrage stellen können. Und ab und zu bekommst du auch die Gereiztheit der Patientinnen und Patienten zu spüren, wenn sie frustrierende Situationen erleben.

Diese Kombination aus körperlicher und psychischer Anstrengung macht besonders anfällig für Rückenschmerzen. Denn um rückengerecht zu arbeiten, braucht man genügend Aufmerksamkeit für den eigenen Körper. Nur wenn du wahrnimmst, welche Bewegung du gerade machst, kannst du überprüfen, ob sie rückengerecht ist. Wenn der Stress zu groß wird, bleibt dafür meist wenig Zeit.

Kennst du das auch?

Das Bett einer älteren, übergewichtigen Patientin soll frisch gemacht werden. Sie hat eine neue Hüfte bekommen und darf sich so kurz nach der Operation nur vorsichtig bewegen. Deine Kollegin hat sich bei Schichtbeginn krankgemeldet und die Station ist unterbesetzt. Du hast zwar Unterstützung durch einen Pflegeschüler, aber durch die Unterbesetzung ist die Zeit knapp. Du und dein Helfer müssen sich beeilen, um bei allen Patienten vor Beginn der Visite noch die erforderliche Dokumentation zu machen. Während du der Patientin hilfst, sich auf die Seite zu drehen, damit dein Kollege das Stecklaken richten kann, spürst du, wie ein Schmerz in deine Lendenwirbelsäule fährt. Erst da fällt dir auf, dass du vergessen hast, das Bett auf deine Hüfthöhe hochzufahren. Außerdem hast du beim Bücken deine Wirbelsäule ungünstig verdreht. Für den Rest deiner Schicht kannst du kaum noch aufrecht gehen. Am nächsten Tag gehst du mit schmerzverzerrtem Gesicht zum Arzt, bekommst ein Schmerzmittel und wirst einige Tage krankgeschrieben.

Hast du solche oder ähnliche Situationen schon einmal bei dir selbst oder im Team erlebt und fragst dich, was du in Zukunft anders machen kannst?

Bei Stress an den Rücken denken – leichter gesagt als getan

Die meisten Pflegekräfte kennen viele gute Tipps, mit denen man rückenschonender arbeiten kann.

Hier sind die wichtigsten Tipps:

  1. Schaffe dir ausreichend Platz für die geplante Bewegung.
  2. Stelle das Pflegebett so ein, dass du dich nicht bücken musst.
  3. Nutze Hilfsmittel, wenn das Gewicht zu schwer ist, zum Beispiel einen Lifter. Das solltest du wirklich ganz konsequent tun.
  4. Sofern die pflegebedürftigen Patienten noch Bewegungsressourcen haben: Ermuntere sie, diese zu nutzen. Dazu
    gehört, dass du deinen Patienten ganz genau erklärst, wie der Bewegungsablauf sein wird und was sie wann tun sollen.
  5. Arbeite möglichst körpernah, damit das zu hebende Gewicht mit einem möglichst geringen Hebel einwirkt.
  6. Richte deinen Körper in der Ausgangsstellung an der geplanten Bewegungsrichtung aus. Verdrehe deinen Oberkörper nicht.
  7. Begleite die Bewegungen über eine Gewichtsverlagerung aus den Beinen heraus.
  8. Führe die Bewegung langsam aus: ohne „Hauruck“ und Schwung.

Aber Hand aufs Herz: Wie oft vergisst du, daran zu denken, wenn es schnell gehen muss? Bescheid zu wissen ist gut – aber das reicht noch nicht, um sich rückenschonend zu verhalten. Rückenfreundliches Arbeiten sollte selbstverständlich sein. Doch das ist leichter gesagt als getan. Wie lässt sich so etwas in der Praxis umsetzen?

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Sich gegenseitig unterstützen

Wichtig ist vor allem, eine Kultur zu entwickeln, in der man sich gegenseitig dabei unterstützt, auf sich selbst zu achten. Deshalb lautet der wichtigste Ratschlag: Schau hin, wie deine Kolleginnen und Kollegen arbeiten, und erinnere sie daran, sich rückenschonend zu verhalten. Und bitte sie, das Gleiche bei dir zu tun.

Die drei Säulen der Prävention

Die Prävention von Rückenschmerzen beruht auf drei Säulen, die mit dem Akronym TOP bezeichnet werden. Mit dieser Checkliste kannst du überprüfen, wo auf deiner Station in Sachen Rückenschmerzprävention noch Nachholbedarf herrscht. Alle diese Aspekte sollten darauf ausgelegt sein, dass dein Rücken geschont wird.

T wie technische Ausstattung.

Dazu gehört zum Beispiel:

  • Barrierefreie Umgebung
  • Ausreichend Platz in den Patienten- und Behandlungsräumen
  • Ergonomisch eingerichtete Arbeitsplätze
  • Hilfsmittel

O wie organisatorische Maßnahmen.

Dazu gehört zum Beispiel:

  • Arbeitsorganisation: Dienstplangestaltung, Arbeitszeiten, Arbeitsabläufe
  • Personalentwicklung und -qualifizierung
  • Einbinden von Betriebsarzt bzw. -ärztin oder der Fachkraft für Arbeitssicherheit
  • Berücksichtigung des Hilfsmitteleinsatzes bei der Pflegeplanung

P wie personenbezogene Maßnahmen.

Dazu gehören:

  • Rückengerechte Arbeitsweisen
  • Konsequente Nutzung von Hilfsmitteln
  • Tragen von geeigneten Arbeitsschuhen und Berufskleidung
  • Nutzen von Bewegungsressourcen der Patienten
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Wie kannst du deinen Rücken stärken?

Rückenschmerzen kommen meist plötzlich, nehmen aber einen langen Anlauf. Will heißen: Damit du keine Rückenschmerzen bekommst, brauchst du ein gutes Muskelkorsett, das die anfällige Knochenstruktur der Wirbelsäule in Form hält. Muskeln stark zu halten ist eine Daueraufgabe. Am besten ist es, jeden Tag ein bisschen dafür zu tun. Zum Beispiel mit den folgenden Mini-Übungen:

Rücken entspannen

Lege dich auf den Rücken, stelle beide Füße auf und halte Knie und Füße eng zusammen. Kippe die Knie abwechselnd langsam nach rechts und links. Aber nur so weit, dass die gegenüberliegende Schulter auf dem Boden bleibt. Wiederhole einige Male.

Rückenmuskulatur stärken

Lege dich auf den Rücken, stelle beide Füße in Hüftbreite auf. Spanne den Beckenboden an und ziehe den Bauchnabel ein. Kippe langsam dein Becken und rolle die Wirbelsäule Wirbel für Wirbel so hoch, dass Schultern und Füße dein Gewicht tragen. Atme in dieser Haltung ein und aus und rolle die Wirbelsäule Wirbel für Wirbel wieder ab. Wiederhole, so oft du dich dabei wohlfühlst.

Rückenschmerzen lindern

Lege dich auf den Rücken und lege deine Unterschenkel auf einem Stuhl ab. Deine Hüft- und Kniegelenke befinden sich dabei in einer 90-Grad-Stellung. Kippe nun dein Becken langsam vor und zurück, sodass sich deine Lendenwirbelsäule abwechselnd direkt an den Boden anschmiegt oder einen Bogen bildet. Versuche, mithilfe dieser Bewegung die Haltung zu finden, in der sich deine Rückenmuskeln entspannen. Dabei bleibt auf Höhe der Lendenwirbelsäule ein etwa fingerbreiter Spalt zwischen deiner Wirbelsäule und dem Boden. Prüfe gegebenenfalls mit 2 Fingern nach. Atme ganz bewusst in deinen Rücken und versuche, dich auf die feine Bewegung der Rückenmuskeln zu konzentrieren.

Zusammengefasst

Es ist nicht leicht, sich im stressigen Stationsalltag auf rückenschonendes Arbeiten zu konzentrieren. Damit es dir leichter gelingt, gute Tipps zu befolgen, kannst du deine Kolleginnen und Kollegen um Unterstützung bitten: Erinnert euch gegenseitig an rückenschonende Prinzipien. Mit der TOP-Checkliste kannst du überprüfen, wie leicht – oder schwer – es dir dein Arbeitsplatz macht, deinen Rücken gesund zu halten.